Dr. Maria Böhme

Mitglied der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bornheimer Stadtrat
Fachpolitische Sprecherin für Soziales, Inklusion und Demographie

Liebe Bornheimerinnen und Bornheimer,

wenn Sie ein kommunalpolitisches Anliegen haben, setzen Sie sich gern mit mir in Verbindung!

E-Mail: m.boehme@gruene-bornheim.de
Tel.: 01590 - 8638903 (gern per Messenger-Nachricht)

GRÜN

Ausbildung und Beruf

Persönlich

Seit 2019 Mitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, seit 2020 Stadträtin in Bornheim. Ich betrachte den menschengemachten Klimawandel als das drängendste Problem unserer Generation und der meiner Kinder. Ich denke, dass der Schutz des Klimas bei jeder politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidung berücksichtigt werden sollte.

Studium der Islamwissenschaft an der Universität Bonn einschließlich ausgedehnter Studien- und Forschungsaufenthalte in Ägypten und der Türkei. Promotion in Kulturanthropologie an der Universität Frankfurt.

Seit 2007 wissenschaftliche Referentin beim DLR Projektträger im Bereich „Gesellschaft, Innovation, Technologie“, seit 2019 dort Leiterin der Koordinierungsgruppe „Kulturelles Erbe in digitalen Zeiten“.

Aufgewachsen in einem Dorf im Südsauerland, bin ich Mitte der 1990-er Jahre zum Studium nach Bonn gekommen. Nach Stationen in Köln und Lund, Schweden, bin ich seit 2014 mit meinem Mann und unseren beiden Söhnen in Bornheim-Sechtem zuhause.

25.11.2020 - 25. November – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November 1960 wurden die drei dominikanischen Regimegegnerinnen Maria Teresa, Minerva und Patria Mirabal durch das diktatorische Regime Rafeal Trujillos ermordet. Die drei Schwestern hatten ihre inhaftierten Ehemänner im Gefängnis besucht und wurden auf Geheiß Trujillos von dessen Schergen auf der Heimfahrt in den Bergen überfallen und zusammen mit ihrem Fahrer erdrosselt.

1981 wurde der 25. November bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen. 1999 wurde der 25. November durch die Vereinten Nationen zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen erklärt.

Bis heute erfahren Frauen in Deutschland und weltweit massive Gewalt, nur weil sie Frauen sind. So machten im Jahr 2019 in Deutschland Frauen den weit überwiegenden Teil der Opfer aller erfassten Formen partnerschaftlicher Gewalt aus, Männer hingegen den weit überwiegenden Teil der Tatverdächtigen (die Statistik des Bundeskriminalamtes scheint hier ausschließlich von heterosexuellen Beziehungen auszugehen, eine Berücksichtigung von homosexuellen Beziehungen habe ich nicht erkennen können). 2019 wurden 117 Frauen (und 32 Männer) durch die Person getötet, mit der sie eine Beziehung (gehabt) hatten (Quelle: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2019.pdf?__blob=publicationFile&v=2).

In den Medien wird dies für gewöhnlich als „Beziehungstat“ oder „Familiendrama“ dargestellt. Diese Darstellung verschleiert das wahre Problem: Die historisch gewachsenen ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen haben dazu geführt, dass Frauen bis heute vielfach das Recht auf ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben abgesprochen – und schlimmstenfalls mit Gewalt genommen wird. Die so gewachsenen männlichen Dominanzvorstellungen und Besitzansprüche kosten allein in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau das Leben.

02.09.2020 - Mehr Frauen wählen für eine zeitgemäße, effizientere Kommunalpolitik

Der Bornheimer Stadtrat hat 49 Mitglieder – 40 Männer und neun Frauen. Der Frauenanteil liegt damit bei 18 % und damit deutlich unter dem NRW-Durchschnitt. Im Mittel saßen nach der Kommunalwahl 2014/15 in den Gemeindevertretungen, Stadträten und Kreistagen in NRW 24 % Frauen (https://correctiv.org/aktuelles/2020/08/21/sexismus-und-maennerdominanz-was-frauen-in-der-kommunalpolitik-erleben/). Dass die Hälfte der Bevölkerung nur 18 % der politischen Repräsentant*innen stellt, ist nicht nur in demokratischer Hinsicht ein Problem. Es ist auch eine massive Verschwendung von Kompetenzen, Erfahrung und Perspektiven, die sich Bornheim nicht leisten sollte.

Ein Grund dafür, dass Frauen deutlich weniger in der Kommunalpolitik aktiv sind als Männer, ist die immer noch weit verbreitete Zuschreibung, dass sie für den Haushalt und die Kinderfürsorge zuständig wären. Das Leitbild der Hausfrauenehe schlug sich noch bis 1977 im Bürgerlichen Gesetzbuch § 1356 nieder: "Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." Für den Staat war dieses Leitbild ausgesprochen wirtschaftlich, denn es sparte ihm milliardenschwere Investitionen in Kinderbetreuung sowie Einrichtungen für Pflegebedürftige oder Senior*innen.

Diese Rollenzuschreibung wirkt sich bis heute auch auf die Wahrnehmung außerhäuslichen Engagements von Frauen aus. Nehmen Männer Abendtermine wahr, fragen sich die wenigsten Menschen, ob diese Männer Kinder haben und wer sie gerade betreut. Bei Frauen schwingt diese Frage nur zu oft mit bis hin zu dem Urteil, sie wären „Rabenmütter“ oder „schlechte Ehefrauen“, weil sie nicht bei ihrer Familie sind.

Ein weiterer Grund für das seltenere kommunalpolitische Engagement von Frauen ist, dass Männern häufiger Expertise zugesprochen wird als Frauen. Dabei handelt es sich um ein erschreckend weit verbreitetes Phänomen, das zuletzt im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie sehr deutlich wurde. Der Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Elizabeth Prommer zufolge kamen nur 22 % Expertinnen, aber 78 % Experten zum Thema „Corona“ zu Wort. Von den zum Thema befragten Ärzt*innen waren 80 % Männer – obwohl Frauen etwa die Hälfte dieser Berufsgruppe ausmachen (https://www.spiegel.de/kultur/corona-krise-und-medienpraesenz-maenner-erklaeren-wie-systemrelevant-frauen-sind-a-d5fb4b50-4236-4dd6-b850-7770f56dded0). Die British Broadcasting Corporation (BBC) hat dies schon vor einiger Zeit als problematisch erkannt und deshalb 2017 das 50:50-Projekt ins Leben gerufen, um den Anteil der Expertise von Frauen in der Berichterstattung systematisch zu erhöhen (https://www.bbc.co.uk/5050).

Doch selbst wenn die Expertise einer Frau nicht infrage gestellt wird, muss sie damit rechnen, dass sie keine Beachtung findet und man sie stattdessen auf Äußerlichkeiten reduziert. Das musste im Sommer 2020 z. B. Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin, erleben. In einem Interview sprach sie über das gewichtige Format des politischen Sommerinterviews. Eine Schlagzeile wert war aber lediglich: „Ich schminke mich selbst“. Man stelle sich einmal vor, ein Interview mit dem Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni wäre übertitelt mit „Meine Krawatte wähle ich jeden Morgen selbst aus“. 

Dieses Ignorieren der Expertise von Frauen und das Reduzieren auf Äußerlichkeiten sind sexistisch und auch in der Kommunalpolitik weit verbreitet. Das gemeinnützige Recherchezentrums Correctiv hat im Vorfeld der NRW-Kommunalwahl am 13. September 2020 zu „Sexismus und Männerdominanz: Was Frauen in der Kommunalpolitik erleben“ recherchiert: Über die Hälfte der rund 400 befragten Frauen berichten von Erlebnissen, die sie als grenzüberschreitend empfunden haben, so z. B. unangebrachte Bemerkungen über ihr Äußeres. Einige Frauen berichten, dass Kommunalpolitiker ihnen Textnachrichten oder Videos mit sexualisierten Inhalten geschickt haben. Acht Prozent der Frauen berichten von unangemessenen Berührungen bis in intime Körperbereiche (https://correctiv.org/aktuelles/2020/08/21/sexismus-und-maennerdominanz-was-frauen-in-der-kommunalpolitik-erleben/).

Solange Frauen unter solchen Bedingungen Politik machen müssen, stellt die paritätische Besetzung von Listen einen notwendigen Schutzraum für sie dar. Immerhin wird ihnen damit das weitverbreitete innerparteiliche Gerangel um Listenplätze erspart. Die GRÜNEN haben deshalb schon 1986 eine „Frauenquote“ bzw. das „Frauenstatut“ eingeführt. Für die GRÜNEN-Ortsverbände in NRW heißt das: Wahllisten sind grundsätzlich abwechselnd mit Frauen und Männern zu besetzen. Die ungeraden Listenplätze - und damit auch immer der Listenplatz 1 - stehen Frauen zu. So können Frauen nicht mit den aussichtslosen unteren Listenplätzen abgespeist werden.

Frauen haben vielfach eine andere Sicht auf kommunalpolitische Sachverhalte als Männer: Wie viele Kinderbetreuungsplätze werden benötigt? Wie sehr sollte ein Geh- oder Radweg ausgeleuchtet sein, damit sich eine Frau dort uneingeschränkt und mit sicherem Gefühl bewegen kann? Eine niedrige Frauenbeteiligung führt damit letztendlich zu einer Politik für nur eine Hälfte der Bevölkerung – also zu einer ineffizienten Politik. Alle Wahlberechtigten sollten sich bei der NRW-Kommunalwahl am 13. September 2020 fragen, ob sich Bornheim das leisten kann. 

02.06.2020 - Corona - Die Krise der Frauen

Ein Kommentar von Maria Koch & Maria Böhme

Warum erheben in diesen Tagen immer mehr Frauen ihre Stimme und machen darauf aufmerksam, dass Familien in der aktuellen Situation nicht ausreichend unterstützt werden? Weil es in der Regel die Frauen sind, die den weitaus größten Teil der unbezahlten Familienarbeit leisten. Und so haben sie auch den Großteil der zusätzlichen Kinderbetreuung und des Homeschoolings übernommen. Ihre zusätzlichen Anstrengungen haben erheblich dazu beigetragen, dass die COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen funktioniert haben – Unterstützung oder Entlastung waren dabei für sie lange nicht vorgesehen und werden erst langsam diskutiert.

Aber warum sind es die Frauen, die den Großteil der unbezahlten Familienarbeit leisten? Weil sie häufig die weniger angesehenen Berufe haben, weniger Wochenstunden arbeiten und weniger verdienen. So steuern erheblich mehr Frauen als Männer auf Altersarmut zu. Was muss geschehen, damit sich das ändert?

Liebe Mädchen und Frauen: Lasst euch keine Klischees einreden. Jungen können nicht generell besser rechnen und Mädchen sind nicht generell sprachbegabter. Entscheidet euch für gutbezahlte Berufe. Besteht darauf, genauso viele Stunden einer bezahlten Arbeit nachzugehen wie euer Partner. Wenn er mehr verdient: Besteht darauf, dass die Hälfte dessen, was er mehr verdient, in eine Zusatzabsicherung für euch investiert wird.

Liebe Bundesregierung: Setzen Sie finanzielle Anreize, damit Eltern gleich viel Elternzeit nehmen oder ihre Arbeitszeit im gleichen Umfang reduzieren! Schaffen Sie das Ehegattensplitting ab! Es befördert nur „Versorgungsgemeinschaften“ – die dann doch auf Kosten der vermeintlich „Versorgten“ gehen.

Liebe Landesregierung: Sorgen Sie dafür, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur eine schöne Kampagne bleibt und vor allem Frauen nach Corona nicht auf der Strecke bleiben.

Liebe Stadt Bornheim: Berücksichtigen Sie die Bedürfnisse doppelt-berufstätiger Eltern! Zu allererst bedeutet das: Schaffen Sie ausreichend Betreuungsplätze und Räumlichkeiten für die schulische Ganztagsbetreuung, damit beide Elternteile guten Gewissens arbeiten gehen können, wenn sie das möchten!

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